Der Reformations(Feier)tag

Zum ersten Mal haben wir in Niedersachsen einen neuen Feiertag. Den 31. Oktober. Reformationstag. Habe ausnahmsweise ein wenig länger geschlafen, habe versucht auszuschlafen. Nun ja, wie es nei mir so ist, es hat einigermaßen geklappt.

Doch der blaue Himmel, die strahlende Sonne ließ mir keine Ruhe, habe mich unruhig hin und her gewälzt, und so habe ich nach dem Frühstück die Fototasche gepackt, habe mich ins Auto gesetzt und bin Richtung Oldenburger Münsterland, Richtung Artland gefahren. Irgendwann habe ich an einem Kanal angehalten, Fotos gemacht. Einige Meter weiter an der Hase war ein kleiner Waldparkplatz, den ich freudig geentert habe, um dann runter zur Hase zu gehen, etwas durchs Ufergras zu stapfen. Habe die Natur, die Stille genossen, habe den Duft des Ortes in mich aufgenommen.

Am Haseufer

ein Bootsanleger durch eine Brücke fotografiert

Die Hase, der Bootsanleger, ein Restaurant

Irgendwann ging es weiter und plötzlich habe ich einen verlassenen und abgebrannten Bauernhof gefunden. Bin zwar nicht in die Gebäude vorgedrungen, denn sehr stabil sahen die verkohlten Balken und Mauerreste nicht aus. Sicherlich wären im Inneren interessante Details zum Fotografieren gewesen. das verbotene Stöbern auf fremden Haus und Grund hat was, bringt eine Art von Nervenkitzel mit sich.

Ja, ich mag solche Orte, aber was ich noch mehr mag, ist mein Leben. Aber das Betreten mache ich nur sehr sehr selten, denn es kann immer was passieren, und ich muss nicht da irgendwo in fremden Abbruchhäusern verletzt rum liegen. Kenne einige erschreckende Beispiele, bei denen es in solchen Ruinen zu teils schweren Unfällen gekommen ist.

Nee nee nee, das muss ich nicht haben, wie gesagt: ich liebe mein Leben.

abgebrannt Haus 1

da schaukelt kein Kind mehr

abgebrannt Haus 2

Ein paar Meter weiter, wirklich nur knapp 300 Meter, lag das nächste abgebrannte und verlassene Gehöft. Habe auch hier noch ein paar Fotos gemacht und ich hoffe, dass die Stockagentur vielleicht das ein oder andere Foto in den Bestand aufnimmt. Und dass natürlich der ein oder andere Kunde solche Fotos gebrauchen kann, benötigt.

Es war früher Nachmittag, als ich nach Hause wollte. Doch nicht ohne an einer Art Herrenhaus einen Stopp einzulegen und ja, auch hier habe ich ein paar schöne Fotos machen können. Und ich kann es nicht beschreiben, aber das Licht war an dem Ort einzigartig, der Ort strahlte eine gewisse Magie aus. Wie sich dies bemerkbar machte? Ich kann dieses Gefühl nicht in Worte fassen, ich verspürte nur eine lange nicht mehr gekannte Stimmung von Ruhe und Frieden.

Manch einer wird sagen, der spinnt doch, aber heh, diese Eindrücke lasse ich mir nicht nehmen, lasse ich mir von möglichen Miesepetern nicht kaputt reden.

Der Wassergraben, voll von Grünzeug

Das Haus könnt ich mir gut als (meine) Wohnung vorstellen 🙂

Allee

Bei dem Gang am Herrenhaus entlang wurde ich von zwei laut bellenden Appenzeller Sennenhunden umringt. Die junge Frau, die mit den Hunden unterwegs war meinte nur „keine Angst, die bellen nur“. Aber heh, ich hatte keine Angst, habe die Hunde auf mich zukommen lassen, habe ruhig auf die Hunde eingeredet, keine hastigen Bewegungen gemacht. Denn wenn man bedenkt, dass ich der Fremder in ihrem Revier war, war die Reaktion der Hunde mehr als verständlich.

Ehrlich? Ich hätte die beiden Rabauken gerne gestreichelt, geknuddelt, denn es waren wirklich schöne Tiere!. Aber fremde Hunde, die man nicht kennt streichelt man nicht aus Lust und Laune, und außerdem hatte ich keine Möglichkeit, mich mit den beiden Wuffs anzufreunden, die junge Frau musste weiter. Schade.

einer der beiden Appenzeller Sennenhunde 🙂

Eigentlich wollte ich ja auf direktem Wege, ohne weitere Stopps nach Hause, doch meist kommt es anders als gedacht. Ein großes Gehege, eine große Herde von Alpakas ließ mich anhalten, am Rand der Strasse halten. Hier habe ich bedauert, dass ich kein zweites Objektiv, keine Teleobjektiv dabei hatte. Nun ja, habe halt das Beste aus der Situation gemacht.

Ein verlassenes Bauernhaus war der Grund (was sonst) für einen weiteren Stopp. Hier sah es aber so aus, als würde jemand das verlassene und teilweise verfallene Gehöft wieder aufbauen. Verkohlte Balken habe ich nicht gesehen. Doch auch hier gab es einiges zu sehen, zu fotografieren. Und wenn ich ehrlich bin, ein altes hölzernes Wagenrad hatte es mir angetan, hätte ich gerne mitgenommen. Aber oberste Regel: an Orten an denen man fotografiert lässt man alles so wie es ist, nimmt nichts mit. Und außerdem, wo sollte ich das Rad in meiner kleinen Wohnung unterbringen? Keine Chance! 

Weiter ging es an einer alten Windmühle vorbei. Obwohl ich bereits länger als geplant unterwegs war, ein reichlich heftiges Knurren in der Magengegend hatte, habe ich an dem Mühlencafé nicht angehalten.

Kurz vorher hatte ich ein paar Traubenzucker eingeworfen, denn ich merkte, wie der Blutzucker allmählich niedriger und niedriger wurde. Der einzige Apfel den ich mit hatte (wollte ja eigentlich nur ’ne kurze Fototour machen), hielt nicht lange vor. Er war ein spärlicher Ersatz für ein Mittagessen.

Und nun muss ich sehen, dass ich wenigstens wieder ein paar Müsliriegel oder so was als Notfallration in der Fototasche habe. Vorsorge ist für mich als Diabetiker wichtig! Denk ich bloß nicht immer dran, wenn ich im ‚Fotorausch‘ bin. 😦

ein Teil der großen Alpakaherde

die Windmühle in Groß-Mimmelage

nicht abgebrannt nur verfallen, im Wiederaufbau wie es scheint

Bin gemütlich gefahren, habe mich ziemlich an die vorgegebene Geschwindigkeit gehalten, bin gemütlich und entspannt gefahren. Denn ich mag diese Raserei nicht mehr. Ob das am Alter liegt? Kann eigentlich nicht sein, denn leider waren nicht alle Autofahrer so entspannt unterwegs. Manche mussten drängeln, denen ging es nicht schnell genug. Und ja, es waren viele ältere Herrschaften darunter, die anscheinend meinen kleinen Fiat (iiihh ein Fiat, wie kann man nur..) nicht vor sich haben wollten. Nun ja, sollen sie ruhig, ich fahre weiterhin ruhig und gemütlich und entspannt, ich versuche, dabei kein allzu großes Hindernis für diese Rennfahrer zu sein, ggf fahre ich auch mal rechts ran, lasse diese Speedfreaks vorbei.

Kurz vor Zuhause: habe im Nachbarort, der in einem anderen Bundesland ohne diesen Feiertag liegt, vorsichtshalber noch Süßkram für Halloween besorgt. Falls die Kinder hier aus dem Haus klingeln würden. Nicht schlecht, dieser Feiertag.

Dann war ich endlich zu Haus. Habe mir erst mal einen schönen heißen Kaffee gegönnt, dann die Fotosachen wegpacken und mir etwas später ein paar Tortellini als abendliches Mittagessen gemacht.

Und dann ging es an die Speicherkarte, dann habe ich die Fotos runter geladen, die erste Sichtung der Bilder lag an, doch dann wollte ich nicht mehr, ich war geringfügig müde. Eine genaue Durchsicht, eine Bearbeitung der knapp 350 Fotos werde ich dann in den nächsten Tagen machen….

Noch zwei Bier und dann war der Tag für mich endgültig gelaufen.

Ab ins Bett.

🙂

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